Unterstützte Kommunikation
Unser Credo lautet Menschlichkeit -
auch beim Einsatz von Technik
Unser Credo lautet Menschlichkeit -
auch beim Einsatz von Technik
Die LWL-Förderschule für körperliche und motorische Entwicklung in Dortmund hilft Kindern die unter geistigen und motorischen Entwicklungsstörungen leiden. So kann der 10-jährige Timo dank einer ergotherapeutischen Therapie und eines Sprachcomputers mit seiner Umwelt kommunizieren – entgegen der Prognosen seiner Ärzte.
Was wie ein Spiel klingt, ist für Timo, der an einer schweren geistigen und motorischen Entwicklungsstörung leidet, eine Brücke zur Welt. Mit dem „Talker“, einem kompakten Sprachausgabe-Computer, kann der Schüler der LWL-Förderschule, Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung, Dortmund sich unterhalten – dabei hatten die Ärzte der Familie vorausgesagt, dass Timo niemals laufen und sprechen, geschweige denn lesen und schreiben können würde.
„Der ‚Talker’ hat auch Timos Lautsprache verbessert“ erklärt seine Klassenlehrerin Ina Steinhaus, die für den Einsatz der vom LWL finanzierten technischen Hilfsmittel an der Schule seit 14 Jahren verantwortlich ist. „Je mehr die Kinder mit dem ‚Talker‘ sprechen, umso öfter hören sie auch die Worte und können sie irgendwann wiederholen. Außerdem wächst das Selbstvertrauen immens, wenn die Kinder sich plötzlich verstanden fühlen“ erläutert die engagierte 46-jährige, die darüber mitentscheidet, welche Kinder ein Gerät bekommen sollen.
Die Sprachausgabegeräte, die 25 der insgesamt rund 260 Schülerinnen und Schüler an der Schule nutzen, sind kein Allheilmittel: „Nicht allen Kindern steht eine eigene Lautsprache zur Verfügung“, erklärt Ina Steinhaus. „Deswegen bieten wir solche Geräte nur an, wenn wir einem Kind zutrauen, Begriffe zu verstehen und anzuwenden.“
Die komplexen elektronischen Kommunikationshilfen bilden dabei die Spitze der unterstützten Kommunikation - an der Schule werden auch Gestik, Mimik, Gebärden oder Kommunikationstafeln eingesetzt.
Mit den ‚Talkern‘ reden die Kinder aber nicht nur in der Freizeit. Sie werden im Unterricht und in der Therapie wie selbstverständlich mitgenutzt.
"Je öfter und je unterschiedlicher die Anwendung ist, umso besser sind die Lerneffekte", ist Ina Steinhaus sicher. Bis Timo so gut mit seinem 'Talker' umgehen konnte, musste er viel üben, erklärt die Lehrerin. Durch ständige Wiederholungen lernte er die verschiedenen Symbolkombinationen kennen und diese auch assosiativ zu nutzen. Außerdem haben wir für ihn das Vokabular individuell erweitert, zum Beispiel mit Namen aus seinem Umfeld."
Verantwortlich für das individuelle Training ist vor allem die Ergotherapie. Sabine Zimmer hat für das Tastendrücken an Timos Feinmotorik gearbeitet und ist zufrieden mit seinen Fortschritten. „Wir machen ganz verschiedene Übungen, bei denen in spielerischer Form die Motorik und die Kommunikation zusammen trainiert werden“, sagt die Ergotherapeutin. Dazu gehören Lern- und Spielprogramme am Computer oder die Beschäftigung mit einem Keyboard, das Timo selbst aus dem Regal holt und auf dem er mit bestimmten Tasten ganze Melodien spielen kann.
Die Therapie beginnt schon beim Eintritt in den Raum mit einem kleinen Ritual. Weil die Ergotherapie als Zusatzleistung über die Krankenkasse abgerechnet wird, muss das Rezept für jede geleistete Therapieeinheit unterschrieben werden. „Das muss Timo wie jedes Kind selbständig einfordern“, erklärt Sabine Zimmer. Timo drückt in beachtlicher Geschwindigkeit einige Tasten, der ‚Talker‘ sagt: „Bitte unterschreiben Sie das Rezept.“ Nach dem er die Unterschrift bekommen hat, lächelt Timo – und beeilt sich, um im Klassenraum seinem Freund Christoph per ‚Talker‘ die Ereignisse des Tages erzählen zu können.
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